„Das ist echt der Hammer!“ – Wo Vibrationen überall zum Einsatz kommen (Sexutensilien ausgeschlossen)

Der leidenschaftliche Wii-Spieler Pascal Hartmann, Online-Redakteur bei ntower.de, sitzt mit skeptischer Haltung in einem Vibrationsstuhl. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der vibrierende Sportsitz auf Rädern ein Must-have ist“, äußert Pascal kritisch. Der Konsolen-Fan spielt mal ausnahmsweise das Computerspiel Diablo 3. Der Höllenfürst aus der Edelschmiede Blizzard stampft voller Wucht auf den Boden. Brennende Krater tun sich auf. Feuer sprüht an die Oberfläche. Ein Effektgewitter strahlt aus dem Bildschirm und ertönt aus dem 5.1-Soundsystem. Der Boden dröhnt, die Schranktür rattert und der Krach bringt den Nachbar langsam aber sicher zur Weißglut. Währenddessen macht es „klack“ – die Audio-Klinke steckt im Verstärker. Der Body Shaker ist nun mit dem Verstärker verbunden. Jetzt fängt er an zu arbeiten. Statt einer Töne erzeugenden leichten Membran wie bei Lautsprechern, schwingt beim Body Shaker ein schwerer hängender Magnet, der durch die Signale des Verstärkers angetrieben wird. Dieser Vorgang erzeugt die Vibrationen, die sich auf den Untergrund übertragen, auf den der Body Shaker befestigt ist. Im günstigsten Fall hört man nichts, sondern fühlt lediglich ein stoßartiges Rütteln. Das Gehör des Nachbarn wird nicht mehr strapaziert.

Geschäftsführer Marco Wörenkämper vertreibt die in Sportwagen üblichen Schalensitze auf NeedforSeat.de. Doch sind die Schalensitze für den Schreibtischeinsatz (DXRacer-Serie) angepasst und optional mit einem Vibrationssystem namens SeatQuake erweiterbar. „Das Vibrationssystem SeatQuake (englisch für „Sitzbeben“) ist als Sahnehäubchen für diejenigen gedacht, die schon einen DXRacer-Stuhl von uns haben. Die SeatQuake-Einheit setzt sich aus einer Aluminiumplatte, einem Body Shaker und einem Verstärker zusammen. Damit lassen sich Musik, Filme und Spiele völlig neuartig erleben“, erzählt Wörenkämper.

Der tüchtige Geschäftsmann aus Vellmar sieht aber nicht nur in der Unterhaltung Bedarf an Vibrationssystemen. So arbeitet Wörenkämper höchstpersönlich an einer Erweiterung der in Windows üblichen Soundtöne im Tiefbassbereich. Bei niedrigen Frequenzen erhält der Sitzende Rückmeldung über das Vibrationssystem. Erhält man beispielsweise eine Fehlermeldung in Windows, vibriert der Stuhl in einem bestimmten Intervall. Dadurch möchte er in Zukunft „gehörlosen sowie auch hörgeschädigten Menschen die Möglichkeit geben, nicht nur ein optisches Feedback über den Bildschirm zu erhalten, sondern eine zusätzliche Rückmeldung direkt über den Stuhl beziehungsweise durch den Körper zu vermitteln. „Erste interne Tests waren hier schon sehr vielversprechend“, resümiert Wörenkämper.

Vibrationen sind also zu Unterhaltszwecken und als Alltagshilfe zu gebrauchen. Auch Freizeit- und Profisportler setzen Vibrationsübungen ein, um gezielt Muskelgruppen oder die gesamte Körpermuskulatur zu trainieren. Im Fitnessstudio Intenso Darmstadt wird Training auf einem Vibrationsgerät angeboten. Personal Trainer Mark Sen steht leicht gebeugt auf einer vibrierenden Platte. Es erweckt den Eindruck, als würde Sen auf Wasserskiern stehen. Nach der Übung geht Sen auf die Vorteile dieser Trainingsmethode ein: „Gerade untrainierte Leute sprechen maximal 30 bis 40 Prozent der Muskelfasern an. Das Vibrationstraining gewährleistet ihnen eine Zunahme der Muskelrekrutierung. Somit werden nahezu hundert Prozent der Muskelfasern angeregt.“

Trainer Mark Sen zeigt wie es geht: Auf die Zehenspitzen stellen, die Knie beugen und den Oberkörper weit zurück lehnen.

Das Trainingsgerät ist für mehrere Übungen zu gebrauchen. Hier demonstriert Sen Liegestütze.

Sen hebt außerdem hervor, dass jeder Sportler verschiedene Parameter beim freien Training wählen könne. „Möchte der Kunde Muskeln aufbauen, stellen wir eine hohe Amplitude und eine niedrige Frequenz ein. Wird hingegen eine entspannende Massage gewünscht, richten wir eine hohe Frequenz und niedrige Amplitude ein“, erklärt Sen. Auf die Frage hin, ob Männer oder Frauen öfters auf die rüttelnde Platte steigen, meint Sen, dass es vorwiegend Frauen seien. Das liege hauptsächlich daran, dass die „Vibrationen die Blutzirkulation anregen und im Volksmund Cellulite entgegenwirken“. Aussagekräftige Studien gibt es bisher nicht.

Abseits des Sports spielen die typisch sinusförmigen Schwingungen der Vibrationen ebenso in der Therapie eine große Rolle. Manuela Basaldella, Fachkraft und Dozentin für Basale Stimulation, therapiert Patienten vorwiegend mit ihren Händen und kleinen Handvibrationsgeräten. Die teils durch Vibrationen angewandte „Basale Stimulation“ hat zum Ziel, Wahrnehmungsbereiche zu aktivieren, Muskeln anzuregen und die Kommunikation zu fördern. Therapiebedürftige sind unter anderem mehrfachbeeinträchtigte Menschen, Schädel-Hirn-Traumatisierte oder Komapatienten. „Gerade frische Lähmungserscheinungen, Wahrnehmungsdefizite und Motivation können bei Betroffenen aktiviert werden. Dies ist punktuell und flächig bis großflächig machbar“, schreibt die Expertin. Zusätzlich weist Basaldella darauf hin, dass eine „aufmerksame Beobachtung notwendig“ sei, um eine „richtige Therapie zu ermitteln“ und „ein Ziel zu formulieren“.

Um ihre Theorie zu bekräftigen, erzählt Basaldella aus ihren eigenen Praxiserfahrungen, die keineswegs allgemeingültig sind. „In einem konkreten Fall habe ich ab dem zweiten Tag nach einem Schlaganfall mit rechtsseitigen Lähmungserscheinungen mit dem Handvibrationsgerät täglich beide Körperhälften bearbeitet. Dieser Mensch konnte seine Extremitäten bei Entlassung einwandfrei nutzen. In einem anderen Fall konnte ich eine Dame, die sich bereits sehr zurückgezogen hatte und kaum noch reagiert hat damit „wecken“. Sie begann bereits nach einem Tag Anteil an ihrer Person und der naheliegenden Umwelt zu haben. Drei Tage nach Absetzen der Basalen Therapie hatte sie den vorhergehenden Zustand.“ Ebenso hebt die Basaldella hervor, dass jeder Patient neues Einfühlungsvermögen benötige.

Währenddessen geht Pascal im vibrierenden Schalensitz das Herz auf. Er erinnert an einen kleinen Jungen, der das erste Mal Autoscooter fährt. Der Stuhl vibriert stark. Ein pulsierender Herzschlag ertönt aus den Lautsprechern des Computers – gleichzeitig wird es durch die Vibrationen verstärkt. Pascals breite Mundwinkel zeigen deutlich: Er fühlt sich bestens unterhalten. „Das ist echt der Hammer!“, brüllt der hellbegeisterte Wii-Spieler. Pascal ist vermutlich keine Ausnahme: Skepsis gegenüber Vibrationen gibt es, doch sind eigene Erfahrungen bekanntlich Gold wert.

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Die Nazarov-Stimulation – Lokales Vibrationstraining zwischen 20 und 40 Hertz

Schon in den 1880er Jahren experimentierte der französische Neurologe Jean-Martin Charcot mit Vibrationen an Parkinson-Patienten. 64 Jahre später war der österreichische Psychologe Hubert Rohracher der Annahme, dass Vibrationen für Filterprozesse in Geweben und für den Stoffwechsel im Organismus eine große Rolle spielen. Rohracher vermutete auch Schwingungsprozesse an den Sehnen und Muskeln.  In den 60er Jahren publiziert der Ostdeutsche Arzt Wolf Biermann den Effekt von „zyklischen Oszillationen“ auf den menschlichen Körper. Diese Erkenntnisse nutzte auch der russische Wissenschaftler Prof. Vladimir Nazarov in den 70er Jahren. Er knüpfte daran an und setzte Vibrationen als Trainingsmethode ein, um den Muskelaufbau bei Spitzensportlern zu beschleunigen.

Nazarov kam auf die Idee, Ballettänzerinnen an einer vibrierenden Stange zu trainieren.

Der Sportwissenschaftler Nazarov verfolgte damit die Leistungen der Athleten zu steigern, doch sah er später ebenso großes Potenzial in der Gesundheitsförderung. Er prägte den Fachbegriff der Biomechanischen Stimulation (BMS). Noch heute lehrt Nazarov seine Methode und Lehre der Biomechanischen Stimulation. Laut Nazarov wird durch diesen Vorgang nicht nur die Muskulator gekräftigt, sondern auch altes Zellmaterial abgetragen, Zellmembranen gereinigt und Ionenkanäle freigelegt. Das Gewebe wird sozusagen von überflüssigen „Ballast“ befreit.

Wie funktioniert die Nazarov Stimulation und was bewirkt sie?

Die Nazarov Stimulation nutzt mechanische Sinusschwingungen, die sich auf Nerven-, Binde- und Muskelgewebe übertragen. Sie wirken ausschließlich auf den Längsverlauf des Muskels ein. Dabei liegen die Frequenzen der sinusförmigen Schwingungen beim lokalen Vibrationstraining zwischen 20 und 40 Hertz.

Die Frequenz wird bei der Nazarov Stimulation gezielt eingesetzt, um den Muskel zunehmend bis dauerhaft anzuspannen und die Muskelmasse zu trainieren. Wählt man eine Frequenz bei annähernd 20 Hertz oder weniger, dehnt und lockert es die verspannte Muskulator. Ein Muskel benötigt etwa 25 Millisekunden um anzuspannen und genauso lang um zu erschlaffen. Demnach entspricht die Frequenz von 20 Hertz gleich 50 Millisekunden (eine Sekunde dividiert durch 20 Hertz).

Die Amplitude (auch Hub genannt) schwankt von vier bis sechs Millimeter. Je größer die Amplitude gewählt wird, desto stärker werden Muskel- und Sehnenkomplexe ausgelenkt. Dazu steigt die Bewegungsgeschwindigkeit, durch hoch- und absenken der Platte, des Vibrationsgerätes ebenfalls an.

Diese Multifunktionsplatte trainiert Fußgelenke, Knie, Hüfte, Schulter- und Rückenmuskulatur.

Insbesondere weiße, schnell-kontrahierende Muskelfasern namens „fast twitch“ (kurz: FT-Fasern) profitieren von der Wirkungsweise der Biomechanischen Stimulation. Dagegen werden die langsamen, rotdunklen „slow twitch“-Fasern (kurz: ST-Fasern) in dem Frequenzbereich weniger gefordert.

Die Muskelfasern ziehen sich blitzschnell zusammen (Kontraktion) und lockern sich anschließend wieder (Relaxation). Das geht so schnell, dass sie in einer Minute mehrere hunderte Male kontrahieren. Die Kontraktion findet statt, da Muskelfasern durch Nervenimpulse elektrisch erregt werden. Sobald der Nerv aufhört, den Muskel mit Impulsen zu versorgen, entspannt sich dieser wieder.

Ganzkörper- oder lokales Training 

Die Nazarov-Methode trainiert einzelne Bereiche wie Schultern, Arme, Rücken oder Beine. Im Vergleich dazu bieten andere Hersteller wie Galileo Ganzkörpervibrationsplatten an. Ulrich Hänsenberger, Leiter des schweizerischen Nazarov Instituts, warnt vor der hohen Belastung bei Ganzkörpervibrationen, die beispielsweise bei 20 Hertz auf die Gelenke und Knorpel einwirken. „Eine solche extreme Druckbelastung der Gelenkflächen führt je nach Intensität und Zeitdauer des Trainings erfahrungsgemäß zu Schäden an den nur wenige Zehntel-Millimeter dicken Gelenkknorpeln. Bei solchen Belastungen erfolgen zuerst eine Auspressung und dann eine damit verbundene Austrocknung des Gelenkknorpels“, schreibt Hänsenberger und warnt vor zu langer Einwirkung mechanischer Schwingungen.

Studien sprechen nicht für oder gegen Ganzkörpervibrationsplatten. Eins scheint jedoch klar: Wie unter anderem die amerikanischen Wissenschaftler von Medical College of Georgia bei Tierversuchen herausgefunden haben, erhöhen Vibrationen die Knochendichte. Gleiches konnten belgische Forscher von der Universität Leuven feststellen. Was einst für die russische Weltraummission entwickelt wurde, um den Muskelabbau bei Astronauten zu verhindern, hat sich zu einer wirkungsvollen Vorbeugung gegen Osteoporose (Knochenschwund) entwickelt. 2009 waren laut dem Deutschen Orthopäden-Verband rund sieben Millionen Osteoporosepatienten in Deutschland bekannt.

Youtube-Video „Vibrationstraining“ von Galileo:

Donnerwetter auf fünf Rädern: DXRacer Vibrationsrennsportsitze von NEEDforSEAT

Es läuft Mass Effect 3 (Test auf computerbase.de). Commander Shephard, Captain Anderson und der hohe Rat werden von einer explosiven Druckwelle weggeschleudert. Ein Reaper-Mutterschiff ist für das Chaos verantwortlich. Der Bass des Subwoofers von Teufel aus Berlin macht sich bemerkbar. Doch scheint Redaktionsleiter Pascal von ntower.de, der währenddessen im DXRacer-Stuhl sitzt, merklich überrascht. Er schmunzelt. „Und wie ist es?“, frage ich ihn. „Ja. Doch. Die Vibrationen machen Laune!“, antwortet Pascal mit breitem Grinsen zurück.

Marco Wörenkämper, Geschäftsführer von NEEDforSEAT, wagt sich in ein neues Feld der Unterhaltung vor. Statt nur Bild und Ton zu genießen, möchte Wöhrenkämper mit seinen Rennsportsitzen für ein impulsives Erlebnis sorgen. Sein I-Tüpfelchen ist das sogenannte SeatQuake (englisch für „Sitzbeben“), das es ermöglicht, die tiefen Töne über den Rennsportsitz fühlbar zu machen.

Hier seht ihr den DXRacer Smooth Sport RS. Optional lassen sich auch Renngurte anlegen.

Wie funktioniert SeatQuake?

Das Herzstück der Vibrationen und der dadurch entstehende Druckwellen ist die massive Aluminiumplatte und eine Bass Pump. Letzteres ist die Vibrationseinheit. Darin ist ein schwerer Magnet aufgehängt. Legt man nun ein Musiksignal an, wird der Magnet bewegt und prallt auf die Aluplatte auf. Es entstehen Schwingungen, die über die Aluminiumplatte hin zur Sitzfläche übertragen werden.

Hier das Werbevideo von NEEDforSEAT: